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Töpfern und Brennen von Keramik



2014

Anfänglich noch einen Trinkbecher von "akru" (oder sogar ein "Trinkhorn") benutzend, macht man sich Gedanken, endlich ein ordentliches Trinkgefäß anzuschaffen. Spätestens bei "Die heimische Keramik von Haithabu" sucht man nach einem neuen Lieblingstück.
In der "Importkeramik von Haithabu" ist folgender interessanter Teil zu lesen, da wir uns ja im Rheinland befinden:

"Im Überblick läßt die Importkeramik von Haithabu auch bei wesentlich vermehrtem Fundbestand erkennen, daß vornehmlich das niederrheinische Produktionsgebiet zwischen Köln und Bonn den wikingischen Handelsplatz Haithabu mit hochwertiger Keramik belieferte."

Es gibt also eine Vielzahl, auch der bei uns heimischen, rheinländischen, Keramiken, die in die Wikingerzeit fallen und erfreulicherweise auch in Haithabu zu finden sind. Ebenfalls eine Menge von slawischen Keramiken.
"Badorfer", "Pingsdorfer" die sogennante "karoligische-Keramik" ist nachgewiesen auf der Drehscheibe hergestellt worden. Doch ist anzunehmen, das der einfache Haushalt solch eine Drehscheibe nicht (kaum) benutzt hat und Keramiken aus dem "Ganzen" bzw. aus dem "Aufbau" heraus gefertigt hat.
Das Verwenden, sich einer schnell rotierenden Drehscheibe, bot den Vorteil, viel Ware in kürzerer Zeit herzustellen, um dann zur "Handelmassenware" zu werden.
Einen Überblick über die Typisierung der gefundenen Waren ist in "Importkeramik von Haithabu" zu finden:

  • Typ 1: Badorf
  • Typ 2: Walberberg
  • Typ 3: Mayen
  • Typ 4: Hunneschans
  • Typ 5: Reliefbandamphoren
  • Typ 6: Tating
  • Typ 7: Pingsdorf
  • Typ 8: blaugraue Ware
  • Typ 9: dickwandige graue Ware
  • Typ 10: steilwandige Form
  • Typ 11: grün glasierte Ware
  • Typ 12: andenne
  • Typ 13: rote Irdenware
  • Typ 14: Faststeinzeug


Nun könnte man mit Sicherheit noch jede Menge über die Keramiken schreiben, doch zeigen wollen wir, wie wir selber Keramiken hergestellt und gebrannt haben.
als Erstes haben wir, mit mehr oder weniger anfänglichen Schwierigkeiten, Waren ohne Drehscheibe hergestellt. Die Gefäße wurden im "Aufbau" gefertig. Wir entschieden uns für einen rot-braun brennenden Ton mit einer Schammotierung von ca 50%. Da die Keramiken ja durch den in unserem Grubenbrand enstehenden reduzierenden Brand ja sowieso schwarz werden würden, haben wir nicht explizit auf die Brennfarbe des Tones geachtet.


2014
2014
Einige Gefäße konnten wir nun nach Vorlagen arbeiten, die wir aus den Haithabubüchern entnommen haben.
außerdem haben wir die "Talglampen" aus Haithabu und Birka rekonstruiert, die wir zum Verkauf anbieten. Befüllt werden diese mit einer Mischung aus Rindertalg und Wachs.
Nach den schon beschriebenen anfänglichen Schwierigkeiten haben wir es tatsächlich geschafft unsere Becher und Kugeltöpfe so zu formen, das sie der Keramik entsprachen wie sie auf den abbildungen der Funde zu sehen sind.

2014
abbildungen aus "Die heimische Keramik aus Haithabu"


2014
Töpferarbeiten Corvus-Monedula, Birkalampe (rechts im Bild)

Einen Link mit dem Fund ("Birkalampe") aus Björkö,adelsö,Uppland/Schweden findet ihr unter diesem "Klick!"

Die Vorlage der "Haithabuöllampe haben wir aus "Die Keramikfunde aus Haithabu" entnommen.

2014
Töpferarbeiten Corvus-Monedula


Im Freilichtmuseum Oerlinghausen hatten wir dann die Gelegenheit auch einen Grubenbrannt durch zu führen, der uns, zu aller Erstaunen, auch zu 100 % gelungen ist.



2014


Durch das abdecken mit Erde erziehlten wir in der Grube einen fast völligen Sauerstoffabschluss, was zu dem bereits erwähnten reduzierenden Brand führt.
Hierbei binden sich Teilchen des Kohlenstoffes auf molekularer Ebene in den Poren der Keramik, was zu der charakteristischen schwarzen Farbe führt. Desweiteren wird so eine relative Dichtigkeit erziehlt und eine Glasur ist nicht zwingend notwendig.
Eine genau Beschreibung wird in nächster Zeit in einem unserer Projekte zu finden sein. Dennoch haben wir einen "Fehler" festgestellt. Da das ein oder andere Gefäss am Boden nicht genügend Temperatur abbekommen hatte, an genau der Stelle wo das Gefäss den Granitstein berührte, lässt sich der Ton bei Kontakt mit Wasser (oä. Flüssigkeiten: Met, Bier ☺) mit dem Fingernagel abkratzen. Das ist jedoch auf Grund der teilweise doch recht hohen Dicke des Bodens, kein ernstzunehmendes Problem für die Verwendung.
Wir arbeiten derzeit an einer Lösung, wie wir das bei unserem nächsten Grubenbrand verhindern können. Wir werden im Herbst einen weiteren Grubenbrand durchführen, genügend "Neues" haben wir schon getöpfert.

Ergänzung 2016

Einige neue Grubenbrände konnten wir schon durchführen und wir haben es tatsächlich geschafft die Temperatur zu erhöhen und die Hitze gleichmäßer in der Grube zu verteilen.
Geduld ist hier eines der Zauberworte da das Anheizen der Grube und die vorsichtige Temperaturerhöhung der Keramiken, viel Zeit in Anspruch nimmt.
Wir waren aber immer recht zufrieden mit unseren Ergebnissen.

2014
Grubenbrand 2016



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