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Das Julfest und dessen Bräuche: Fliegenpilz, Glücksschwein und Co.


Julbock Erstaunlich finde ich es immer wieder, das sich das Christentum, mal wieder zur Weihnachtszeit, so unglaublich vielen heidnischen Bräuchen bedient!
Nun bedient sich ich ja eigentlich nicht die Kirche, sondern die Menschen, die Ihre Traditionen bewahren und weiter geben möchten. Das man nun dem Christentum angehört hat niemals die "Heiden" davon abgehalten, die Riten und Feste auch zum Weihnachtsfest beizubehalten. Die Julzeit (November-Januar), das Julfest (zur Wintersonnenwende) und die darauf folgenden 12 Rauhnächte, bis zum Dreikönigstag am 6. Januar, ist die Hoch-Zeit eines der wichtigsten heidnischen Feste.
Viele Sagen und Legenden ranken sich um diese Zeit und wir finden einige vertraute Dinge wieder, die wir aus der christlichen Weihnachtszeit kennen. Den Kranz (Advendskranz) den wir auch hier im Heidentum wieder finden, der die Sonne/Sonnenrad symbolisiert. Oder die immer-grünen Zweige (Tannenbaum) im Haus, die an den Frühling erinnern. Heute noch wird in Oberbayern und den Voralpen der so genannte ,,Perchtenlauf" (6. Januar) veranstaltet, der mit seinen gruseligen Tier- und Dämonenmasken an die wilde Jagd von Odin in den Rauhnächten, erinnert.

Ergänzung 2015


Bei all den genannten Daten, möchten wir darauf hinweisen das es sich nicht um überlieferte Daten aus dem frühen Mittelalter handelt bzw. das es KEINE Daten gibt an denen irgendein "Wikinger" ein festes Datum niedergeschrieben hätte!
Leider ist das oft ein Grund zu Disskusionen WANN genau Jul gefeiert wird. Eine frühe "Verlegung" des Julfestes (nachzulesen bei Wikipedia/Julfest) auf die christliche Weihnacht sind oft Anlass für "Kleingeister heidnischer Gruppen" das Julfest NICHT in den Dezember zu legen.
Da es die "Sonnenfeste" waren, die stehts eine große Rolle spielten (und nicht erst seid den Wikingern!) ist die Festlichkeit zum 21.bzw 22.Dezember, zur Wintersonnenwende, ein logischer Termin.
Ob man sich nun an den Mond-oder Sonnenkalender hält soll jeder selber entscheiden! Genau diese Toleranz, zutreffend für alle Glaubensrichtungen, ist das was dieser Welt fehlt und ist kein alter Glaubenskonflikt sondern aktueller als je zuvor!
So, und nun weiter mit den Bräuchen und Riten:

Schön ist auch die Überlieferung einer Geschichte in der es um den Fliegenpilz geht, wieder ein Glückssymbol in unserer heutigen Zeit, zum Jahreswechsel.

"Der Gott Odin ritt am Weihnachtsabend auf seinem Pferd aus und wurde plötzlich von Dämonen verfolgt. Das Pferd fing an zu galoppieren, und dabei tropfte rotgesprenkelter Schaum von seinem Maul. Wo der Schaum hinfiel, erschienen im folgenden Jahr die bekannten weißgefleckten, roten Hüte der Fliegenpilze. Der Fliegenpilz war früher auch unter dem Namen "Rabenbrot" bekannt."

Nun waren aber die Raben Odin ,,heilig", mehr noch, er besaß zwei Raben - Huginn, "Gedanke/Denken", und Muninn, "Gedächtnis/Erinnerung", genannt , die ihm stets berichteten, was in der Welt vor sich geht. Diese beiden Raben, gleichzeitig die seherischen, schamanischen Augen des Gottes, ernährten sich, der Sage nach, vom Rabenbrot, dem Fliegenpilz. Der Fliegenpilz ist ein uraltes Sakrament der Seher und Schamanen. Der gezielte Genuss des Pilzes (auch in einen Getränk) bewirkte Einblicke in die Geheimnisse der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, er ließ Lichterscheinungen und Lichtwesen auftreten und wirkte euphorisch.
Wer den Fliegenpilz einnimmt, gibt seinen inneren Raben, seinem Denken und seiner Erinnerung, gutes Futter, wie es sich für das Minnebier, den "Erinnerungstrunk/Rauschtrunk", gebührt. Und im Julfest geht es um die Erinnerung an die Ahnen und das Denken an die Zukunft. Der Fliegenpilz ist in allen germanischen Gebieten Mittel- und Nordeuropas weit verbreitet. Er ist sicherlich die häufigste wilde Rauschpflanze und tauchte früher unter dem volkstümlichen Namen Narrenschwamm in der Literatur auf. Es heißt auch, dass die Germanen ihren Rauschtrünken neben Honig und Eichenrinde auch Narrenschwämme zusetzten.
Die sibirischen Kamschadalen und Korjaken lassen Mixturen aus getrocknetem Fliegenpilz, ausgepressten Rauschbeeren und Getreiden (Wildgräser, Gerstenarten) gären und nehmen dieses Bier rituell zu sich. Der Trank der Korjaken, ein Gebräu aus Fichten, Tannen, Roggen, Gerste und einem bei ihnen regional wachsenden Pilz, der angeblich so gut schmeckt, dass die Armen, die dieses Getränk nicht erzeugen, am Haus der Feiernden auf einen bestimmten Moment warten. Auf die Person die ,,Wasser lassen geht". Der Urin wird in Schalen aufgefangen um sich davon zu berauschen. Der Wirkstoff des Fliegenpilzes wird unverändert mit dem Urin wieder ausgeschieden. Wer also den Urin eines Fliegenpilzberauschten trinkt, der wird selber einen Rausch erleben.

Ebenfalls finden wir in den Sagen um die Julzeit und die Rauhnächte eine unserer Märchenfiguren wieder, Frau Holle. Sie zieht mit Odin, in der wilden Jagd, Nachts durch den Himmel. Die unzähligen Namen der hohen Frau sind ein Beispiel für ihre wahrscheinlich uralte Gestalt. Die Namen Prechta oder Brechta die ebenfalls diese Frau beschreiben, finden wir in den oben genannten Prechtenumzügen wieder. Ebenfalls wird sie in den Umzügen mit Odin auch mit dem Namen seiner Ehefrau genannt, Frigg/Frigga.
Mehr Infos zu Frau Holle findet ihr unter diesen"Klick "


Jul Die Tradition des Julbocks ist in der heutigen Zeit eher im skandinavischen Raum zu finden.
Allgemein ist zu sagen das der aus Stroh gebundene Bock (Ziegenbock) ein Teil des Rituals zur Verehrung der Sonne war, also ein fester Bestandteil der Wintersonnenwende und des Julfest. Er stand für Fruchtbarkeit und Erneuerung, woran auch das Stroh des Bock-Körpers erinnert. Im Mittelpunkt dieses wichtigen Festes stand früher der Gott Odin und sein Sohn Thor.
Odin war der Gott der Erkenntnis, der Runenmagie oder der Totengeleite. Deshalb wurden in der Julzeit besonders die Toten, also die Ahnen und Vorväter, geehrt.
Diese ,,Opferpuppen" werden in der Mittwinternacht oder am 24. Dezember verbrannt, um die wiedergeborene und zurückkehrende Sonne zu begrüßen. Dies war ein Opfer an die Götter zu denen auch natürlich Speisen und Getränke gehörten. In der Julzeit wurde auch der Vegetations- und Fruchtbarkeitsgott Freyr, der das Wachstum des Getreides (Strohkörper des Bocks) bewirkte und somit den Grundstoff des Bieres zur Verfügung stellte, verehrt. In der Saga von Hervör wird das Julopfer an Freyr beschrieben:

"König Heidrek brachte Freyr ein Opfer dar; er wollte Freyr den größten Eber anbieten, auf dessen Borsten man in allen wichtigen Angelegenheiten schwören musste. Dieser Eber nun sollte als Sühneopfer dar gebracht werden. Dort pflegten die Männer die Hände auf seine Borsten zu legen und heilige Gelübde abzulegen."

Interessant ist, das wir gerade in der Zeit der Rauhnächte, nämlich um den Sylvester Tag, den Brauch des Schweins wieder finden. Unser rosa Glücksschwein ist noch ein Überbleibsel aus dieser Zeit.

Skandinavische Sagen stellten sich den Julbock als dämonisches Wesen mit Hörnern vor, der einen Ziegenbock glich, jedoch größer war. Im Sommer hält er sich in tiefen Wäldern oder unzugänglichen Bergen versteckt. In der Adventszeit kommt er jedoch zu den Höfen und Häusern, um dann am Heiligabend in die Häuser der Menschen einzudringen. Im Haus nahm er häufig zuerst hinter dem Ofen Platz. Dort wurde er meist mit Julbier besänftigt damit er keinen Schabernack trieb!

Auch wenn der Julbock fast als ein "böser" Dämon erscheint, der z.B. kleine Kinder holte, wenn man ihn nicht mit einem Opfer besänftigte, war er jedoch immer das schon erwähnte, doch positive, Fruchtbarkeitssymbol. Thors wagenziehende Böcke Tanngrísnir (Zähnefletscher) und Tanngnjóstr (Zähneknirscher) erinnern dabei an die Darstellung des Julbocks.
Aus der germanischen Mythologie kennt man ebenfalls den Widder der auch als Fruchbarkeitssymbol verehrt wird. In einer bekannten Thor-Geschichte werden die Böcke zum Mahl geschlachtet, erstehen anschließend aber wieder auf.
Neben dieser wiederkehrenden Fruchtbarkeit sind auch verschiedene Beziehungen zu Blitz und Gewitter belegt, deren Symbol häufig Ziegenhörner sind.
Man erzählt sich das durch Blitzschlag getötete Ziegen nicht verspeist werden durften, sie wurden als Thorsopfer betrachtet.
Tradiotionen unterscheiden sich aber auch in der Handhabung mit der Strohziege. Während die einen ihm Opfer brachten mit Speisen und Bier, verbrannten die anderen den Bock und bewahrten die Asche um damit ihre Felder zu bestreuen, um sie fruchtbarer zu machen.
Ebenfalls ist es auch heute noch Brauch, in einigen Teilen von Skandinavien, das junge Männer sich verkleiden.
Sie schlüpfen in eine Art Ziegenkostüm wobei die getragende Maske mit Ziegenbart und Hörnern an den Bock erinnert. Sie tanzten dabei laut durch die Straßen und meckerten wie Ziegen.
Dem Mädchen das den Bock als erstes schreien hört rät man bald zu heiraten.

Auch das Julklapp erinnert an dieses laute Ziegengemecker. Geschenke werden mit viel "Geschrei" unter den Julbaum "geworfen". Manche stellen den Julbock unter den Tisch um ihn an den Feierlichkeiten teil haben zu lassen, in vergangenden Zeiten hat der Julbock die Geschenke gebracht.
Das Wort Weihnachtsmann im Finnischen heißt heute noch "Joulupukki", das übersetzt bedeutet: JULBOCK.



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